Zwischen Tromsø, Wien und der Welt: „Auf a Wort mit … Dr. Christine Moderbacher

Was passiert, wenn man in einem Beruf zuhause ist, der sich im Ausland besser leben lässt als daheim? Wie klingt Feldforschung, wenn Bilder fehlen, weil Menschen keine Kameras mehr wollen? Und was macht Künstliche Intelligenz mit Studierenden, die wissenschaftliches Schreiben lernen sollen? 

Um diese Fragen ging es bei der jüngsten Ausgabe unseres Online-Formats „Auf a Wort mit …“ am Abend des 22. April. Zu Gast war Dr. Christine Moderbacher, preisgekrönte Kultur- und Sozialanthropologin und Auslandsösterreicherin des Jahres 2025. Sie sprach uns aus Dorfgastein zu, wo sie kurz vor ihrem endgültigen Umzug nach Tromsø noch ein paar Tage verbringt. Seit Januar 2026 hat sie in Tromsø eine unbefristete Professur für visuelle und multimodale Anthropologie inne. 

Nach einem kurzen eigenen Impuls beantwortete Dr. Moderbacher Fragen aus dem Publikum – und die kamen aus allen Zeitzonen. Das Gespräch zeigte, wie sehr sich aus unterschiedlichen Lebensperspektiven ganz andere Fragen stellen. 

Vom Berkeley-Sommer zur Professur am Polarkreis
 

Dr. Moderbacher erzählt ihren Weg nicht als geradlinige Karriere, sondern als eine Kette von Gelegenheiten. Familienmitglieder mit Auswanderungsgeschichte in die USA, ein früher Aufenthalt in Berkeley, später Tunesien als Ausgangspunkt für das, was ihre Disziplin ausmacht: das lange, geduldige Sich-Einlassen auf andere Lebenswelten. Der akademische Weg führte zunächst über einige befristete Stellen, bis ihr die unbefristete Professur in Norwegen angeboten wurde. 

Dass sie heute in Tromsø lehrt, hat auch einen fachlichen Grund. Multimodale Anthropologie ist in Skandinavien institutionell stark verankert. In Österreich gibt es vergleichbare Lehrstühle kaum. Das ist kein Zufall, sondern eine Frage, wie man Wissenschaft denkt und finanziert. 

Warum die Kamera manchmal weggelegt werden muss
 

Wer "visuelle Anthropologin" hört, denkt zuerst an Dokumentarfilm. Dr. Moderbacher macht auch Filme, aber sie arbeitet längst nicht mehr nur mit Bildern. Text, Ton, Ausstellungen, digitale Formate mit QR-Codes - das Medium folgt der Forschungsfrage, nicht umgekehrt. 

Sehr eindrücklich war ihr Beispiel aus Molenbeek in Brüssel. Nach den Terroranschlägen 2016 war das Viertel medial überrannt worden. Die Menschen waren der Kameras müde, berechtigt. Also hat sie die Videokamera weggelegt und mit Ton und Text gearbeitet. Das ist kein methodisches Detail, das ist eine ethische Entscheidung. Und es zeigt den Unterschied zwischen ethnografischer Forschung und klassischem Dokumentarfilm: Der Film muss liefern, die Forschung muss zuhören. 

Kinder zwischen zwei Sprachwelten
 

Ihr aktuelles Forschungsthema ist persönlich und gesellschaftlich zugleich: Mobilität und Gehörlosenkultur, mit Fokus auf Kinder und Jugendliche mit Cochlea-Implantaten. Geplant ist ein Ländervergleich zwischen Norwegen, Wien und eventuell Nepal oder Tunesien. 

Sie beschreibt, was viele Familien kennen, die zwischen medizinischem Anspruch und kultureller Identität stehen: den Druck, dass das Kind "normal" hören und sprechen soll. Der oft späte oder fehlende Zugang zu Gebärdensprache. Die Vorstellung, man müsse sich entscheiden. In Norwegen gibt es Bildungsstrukturen, die einen anderen Weg ermöglichen – und das ist mit ein Grund für den Umzug der Familie dorthin. 

Kleiner, aber bemerkenswerter Hinweis am Rande: Gebärdensprachen sind eigenständige nationale Sprachen, keine universellen Systeme. Ihre Familie will parallel Norwegisch und norwegische Gebärdensprache lernen. Die Kinder sind dabei die schnelleren Lernenden – das dürfte niemanden überraschen, der selbst mal ausgewandert ist. 

Zwei Länder, zwei Rhythmen
 

Ein Thema, das viele von uns kennen: Wie kommt man sozial an in einem neuen Land? Dr. Moderbacher beschreibt den Kontrast zwischen ihren Jahren in Süditalien und dem Leben in Norwegen offen. Süden: leichte Kontaktaufnahme, schnelle Nähe. Norwegen: zurückhaltender, Kontakte müssen aktiv gepflegt werden. Keine Wertung, nur eine Beobachtung. Beides funktioniert, beides fordert Unterschiedliches. 

Zur Sprache: Sie hat sich vertraglich verpflichtet, binnen drei Jahren Norwegisch auf Unterrichtsniveau zu lernen. Wissenschaft findet weiterhin auf Englisch und teils Französisch statt, aber das tägliche Leben, die Schule der Kinder, die Integration – das läuft über die Landessprache. Ein Punkt, über den man international unterschiedlich diskutieren kann, und der in der Session auch Nachfragen aus dem Publikum ausgelöst hat. 

Was macht KI mit Studierenden?
 

Der Teil des Gesprächs, der wohl am meisten Unruhe in den Hörsälen auslöst: Künstliche Intelligenz in der Lehre. Dr. Moderbacher schildert, was Kolleginnen und Kollegen überall spüren – uneinheitliche Regelungen, Nachweisprobleme, und die nüchterne Erkenntnis, dass man einen KI-generierten Text oft nicht sicher erkennen kann. 

Eine praktische Konsequenz: Sie und Ihre Kolleg*innen erwägen nun,  wieder mehr mündlich zu prüfen. Das sichert Autorschaft, ist aber auch ein Rückschritt in der Prüfungskultur. Ihre eigentliche Sorge formuliert sie zurückhaltend: Wenn Studierende das Schreiben nicht mehr üben, weil die Maschine es übernimmt, verlieren sie ein Werkzeug des Denkens. Sie erkennt an, dass KI auch verantwortungsvoll genutzt werden kann – nur muss das gelernt werden, und die Institutionen sind dabei nicht immer schneller als ihre Studierenden. 

Austausch als Bildungschance – für alle
 

Zum Abschluss kam das Thema junge Menschen und Auslandserfahrung auf. Dr. Moderbachers Beobachtung: Das Fernweh ist bei vielen Jugendlichen zurückgegangen, auch weil das Internet den Eindruck erzeugt, man sei schon überall gewesen. Erasmus, das klassische europäische Bildungsprogramm, wird durch die explodierenden Wohnkosten in vielen Städten zunehmend zum Privileg derer, deren Eltern es sich leisten können. 

Ihr Vorschlag: ein verpflichtender, kurzer Austauschmonat während der Schulzeit. Nicht teuer, nicht aufwendig, aber gerechter als das aktuelle System. Das ist eine Position, über die man streiten kann – nicht jede Familie wird die Verpflichtung gut finden, und die organisatorischen Hürden wären real. Diskutieren lohnt sich trotzdem, gerade in einer Organisation wie dem Weltbund, für den Auslandserfahrung selbstverständlicher Teil der Biografie ist. (Auch der Weltbund überlegt derzeit, wie man z.B. Mitglieder in aller Welt als Anlaufstellen für Jugendliche gewinnen könnte, die sich für einen Auslandsaufenthalt entscheiden.) 

Was mitzunehmen ist 

Wer sich das vollständige Gespräch anhört, merkt: Es war kein Vortrag, sondern ein ehrlicher Austausch. Mit Nachfragen aus dem Publikum, mit Momenten, in denen Dr. Moderbacher länger nachgedacht hat, bevor sie geantwortet hat. Einige Punkte bleiben offen: 
Das sind Fragen, die wir gern weiterdiskutieren – in Kommentaren unter diesem Beitrag, in Gruppen des Weltbund-Community-Hubs oder bei einer der künftigen Sessions von „Auf a Wort mit …“. 

Hinweise zum Weiterlesen und Weiterhören 

Wer tiefer einsteigen möchte: Dr. Moderbacher wurde bereits in der Herbst-Ausgabe 2025 unseres RotWeissRot-Magazins ausführlich porträtiert. 

Die Aufzeichnung der Session steht allen Interessierten im Weltbund-HUB zur Verfügung. 

Kommende Ausgaben von „Auf a Wort mit …“ werden rechtzeitig im Hub, auf weltbund.at und den Social-Media-Kanälen des Weltbund Österreich angekündigt. Die Anmeldung läuft wie gewohnt über office.wien@weltbund.at

Auf a Wort mit ... Dr. Michael Linhart

Wir freuen uns, dass wir für unsere nächste Ausgabe von „Auf a Wort mit …“ den Präsidenten des Europa-Forum Wachau, ehemaligen Außenminister und Botschafter Dr. Michael Linhart gewinnen konnten. 
"Auf a Wort mit … Dr. Michael Linhart"
Präsident Europa-Forum Wachau, Außenminister a.D., Botschafter a.D.
 Wann: 1. Juli 2026 um 18 Uhr (mitteleuropäischer Sommerzeit, Wien)
Dauer: ca. 1 h
Per online Zoom-Meeting
Anmeldung: office.wien@weltbund.at

Der Link zur Teilnahme am Zoom-Event mit Dr. Michael Linhart wird Ihnen nach der Anmeldung zugeschickt. Er wird aber ebenso auf unserer Website (weltbund.at) sowie hier im Community-Hub allgemein bekannt gegeben.
 
Wir hoffen auf zahlreiche Teilnahme und einen informativen Austausch.

Quelle: LinkedIn Welbtbund Österreich

Hereinspaziert beim Weltbund Österreich

Der Weltbund Österreich lädt während der Sommermonate Juli und August jeden Freitag von 10:00 bis 12:00 Uhr herzlich ins Büro des Generalsekretariats in Wien ein.

Nutzen Sie die Gelegenheit, das Team persönlich kennenzulernen, mehr über die Arbeit und Projekte des Weltbunds Österreich zu erfahren und in entspannter Atmosphäre ins Gespräch zu kommen.

Ob Fragen, Ideen oder Anregungen, Informationen zur Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft oder zur Eintragung in die Wählerevidenz – wir freuen uns auf den persönlichen Austausch mit allen Interessierten.

Wann
Jeden Freitag im Juli und August
10:00 – 12:00 Uhr

Wo
Büro des Generalsekretariats des Weltbund Österreich
Postgasse 6
1010 Wien

Kontakt
E-Mail: office.wien@weltbund.at
Telefon: +43 1 533 52 86 0

Quelle: LinkedIn Weltbund Österreich

eljub E-Book Woche 2026 – Noch 4 Plätze frei!

An alle Eltern, Großeltern und junge Weltniederösterreicherinnen und Weltniederösterreicher zwischen 14 und 18 Jahren: 

Vom 4. bis 11. Juli 2026 findet in der Wein- und Obstbauschule Krems an der Donau die „eljub E-Book Woche" statt – eine Woche mit Jugendlichen aus ganz Europa, bei der ihr gemeinsam ein E-Book erstellt, einen Film produziert und mit KI-Tools experimentiert. Begleitet von Expertinnen und Experten aus Medien, Literatur und Kommunikation. 

Was euch erwartet: 

Das Wichtigste: 
Aktuell sind noch 4 Restplätze verfügbar. Wer Interesse hat, sollte rasch handeln.

Weitere Informationen und Anmeldung: www.eljub.eu

Bei Fragen steht die Geschäftsstelle der Weltniederösterreicher zur Verfügung: Regina Stierschneider, Amt der NÖ Landesregierung, LAD4 regina.stierschneider@noel.gv.at | +43 2742 / 9005-13779

Quelle: Dr. Irmgard Helperstorfer, Generalsekretärin des WELTBUND ÖSTERREICH

Einsatz für den Weltbund Österreich 💯❤️🇦🇹

Im Rahmen einer privaten Reise nach Asien nutzte @Jurgen Bischof⁣ Vorstandsmitglied des WELTBUND ÖSTERREICH die Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen mit Thomas Schaden auf Koh Samui.

Thomas Schaden stammt aus der Steiermark und lebt seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner thailändischen Frau Supattra auf Koh Samui. Dort führen die beiden mit viel Engagement das beliebte Restaurant Supattra Thai Dining, das für ausgezeichnete Küche und herzliche Gastfreundschaft bekannt ist.

Beim Gespräch zeigte sich einmal mehr, welche Themen viele Österreicher/innen im Ausland beschäftigen. Dabei ging es unter anderem um die Beibehaltung der Staatsbürgerschaft sowie um die bekannten Herausforderungen bei der Briefwahl, wenn Unterlagen nicht rechtzeitig ankommen oder nur schwer fristgerecht retourniert werden können. Für diese Anliegen setzt sich der Weltbund Österreich seit vielen Jahren ein.

Gerade solche persönliche Begegnungen sind besonders wertvoll. Der direkte Austausch mit Österreichern im Ausland schafft Nähe zur Heimat, bringt wichtige Erfahrungen ein und zeigt immer wieder, wie lebendig die Verbindung zu Österreich auch fern der Heimat bleibt.

#Beibehaltung #Thailand #Gastfreundschaft