Lebenshilfe NRW

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Ziel des Landesverband Lebenshilfe NRW ist die Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Familien in unserer Gesellschaft. Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch mit geistiger Behinderung so selbstständig wie möglich in Nordrhein-Westfalen leben kann, und dass ihm so viel Schutz und Hilfe zuteilwird, wie er für sich persönlich benötigt. Maßgebend sind die individuelle Persönlichkeit und die Bedürfnisse, die sich aus Art und Schwere der Behinderung ergeben. Für diese Inklusion der Menschen mit Beeinträchtigung engagiert sich der Verein als Selbsthilfe­organisation und Fachverband seit 60 Jahren. Somit kann er auf eine lange Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung zurückgreifen.

Beiträge für CDU Landtagswahlprogramm

Sehr geehrte Mitglieder,
in der vergangenen Woche haben wir einen sehr konstruktiven und inhaltlich positiven Austausch mit dem Vorsitzenden des Netzwerks Menschen mit Behinderung in der CDU NRW geführt. Das Netzwerk war auf uns zugekommen und sucht im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl in NRW aktiv den Austausch mit Selbsthilfe- und Trägerorganisationen der Eingliederungshilfe.

Im Gespräch konnten wir zu einer Vielzahl relevanter Themen informieren und Stellung nehmen – darunter auch zu den bestehenden Schwierigkeiten bei den Vergütungsverhandlungen der Lebenshilfen als Träger im Bereich des LVR.

Das Netzwerk hat uns daraufhin angeboten, konkrete Forderungen und Positionen der Lebenshilfe einzureichen, die sowohl in das Wahlprogramm des Netzwerks als auch in das Wahlprogramm der CDU NRW zur Landtagswahl einfließen können. Ausdrücklich erwünscht sind dabei ausformulierte Texte – gerne ergänzt um konkrete Finanzierungsvorschläge.

Als Landesverband möchten wir dieses Angebot wahrnehmen und laden Sie herzlich ein, sich aktiv einzubringen.

Wir bitten Sie daher verbindlich darum, Ihre Rückmeldungen, Forderungen und Positionen bis spätestens 30. Mai 2026 bei uns einzureichen (peters.philipp@lebenshilfe-nrw.de). Im Anschluss werden wir alle Beiträge bis Mitte Juni 2026 redaktionell aufbereiten und gebündelt beim Netzwerk einreichen.

Darüber hinaus werden wir die Lebenshilfe-Räte bei den anstehenden Regionalkonferenzen zur Kampagne „Teilhabe ist Menschenrecht" gezielt auf diesen Prozess ansprechen. Auch die derzeit laufende Umfrage im Rahmen der Kampagne werden wir in diesen Prozess einfließen lassen, um eine möglichst breite und fundierte Grundlage für unsere Eingaben zu schaffen.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Gerd Ascheid       &            Philipp Peters
Landesvorsitzender                          Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Lebenshilfe NRWOffizielles

Lebenshilfe NRW kritisiert geplante Kürzungen als Angriff auf Menschenrechte

Internes Bund-Länder-Papier offenbart drastische Einschnitte in den Sozialstaat – Familien und Menschen mit Behinderung besonders betroffen / Petition im Bundestag läuft noch bis zum 25. Mai

Hürth, 4. Mai 2026 – Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai warnt die Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen eindringlich vor den Folgen eines internen Arbeitspapiers einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, das der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband kürzlich öffentlich gemacht hat. Das Dokument enthüllt weitreichende Vorschläge zur Reduzierung sozialstaatlicher Leistungen – mit einem bezifferten Kürzungsvolumen von mindestens 8,6 Milliarden Euro allein im Bereich der Eingliederungshilfe und der Kinder- und Jugendhilfe. Hierbei handelt es sich um ein „Vorschlagsbuch“, das die Konsequenzen für die Menschen in keiner Weise berücksichtigt. Einige dieser Vorschläge würden in der Umsetzung eine völlige Missachtung individueller Rechtsansprüche darstellen. Dies ist vollkommen inakzeptabel.

Die Lebenshilfe NRW fordert den sofortigen Stopp dieser Pläne und eine zwingende Beteiligung der Menschen mit Behinderung an allen Reformprozessen.

Ein Papier, das den Sozialstaat infrage stellt

Die Vorschläge gehen deutlich über einzelne fachpolitische Anpassungen hinaus. Sie folgen in weiten Teilen nur einer Logik der Ausgabenbegrenzung und stellen zentrale Prinzipien des Sozialstaates infrage: Individuelle Rechtsansprüche, notwendige personenzentrierte Unterstützung wären bei der Umsetzung gefährdet.

Das Land NRW hat hier zusammen mit Bayern und Sachsen eine herausragende Rolle übernommen. Die Lebenshilfe NRW ist schockiert, weil die Vorschlagssammlung Menschen mit Behinderung offensichtlich unter dem Aspekt der Kostentreiber betrachtet und nach dem Gießkannenprinzip vor allem individuelle Rechtsansprüche kappen will. Dabei sind kaum mehr Leistungen bei den Menschen angekommen, sondern die Kostendynamik hängt allein mit der demografischen Entwicklung (zum Glück werden Menschen mit Behinderung älter!), den steigenden Personalkosten wegen tariflicher Steigerungen und gestiegenen Sachkosten zusammen.

Rückschritte von mehr als 30 Jahren – ein besorgniserregender Trend

Was die vorliegenden Vorschläge in der Umsetzung bedeuten würden, lässt sich in seiner historischen Dimension kaum überschätzen. Die Lebenshilfe NRW sieht Rückschritte um mehr als 30 Jahre – zurück in eine Zeit, in der Menschen mit Behinderung nicht als Träger individueller Rechte, sondern als Objekte fürsorgerischer Versorgung behandelt wurden. Jahrzehntelange Errungenschaften von Selbstvertretungsorganisationen und engagierten Familien stehen auf dem Spiel. Was der Staat einspart, zahlen Familien – mit ihrer Zeit, ihrer Gesundheit und ihrer Erwerbsbiografie.

„Nicht ohne uns über uns" – Betroffene wurden nicht gehört

Die bisherigen Gespräche fanden parallel zu miteinander vereinbarten Gesprächsstrukturen statt und ohne jede Beteiligung von Menschen mit Behinderung oder ihren Interessenvertretungen. „Was in Berlin diskutiert wird, ist kein Verwaltungsakt – es ist ein Eingriff in das Leben von Millionen Menschen. Wer über die Teilhabe von Menschen mit Behinderung entscheidet, muss diese Menschen zwingend einbeziehen. Das Prinzip ‚Nichts über uns ohne uns' ist keine Bitte – es ist ein Grundrecht. Teilhabe ist Menschenrecht", sagt Prof. Dr. Gerd Ascheid, Vorsitzender der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen. Mögliche Reformen müssen die Systeme als Ganzes betrachten und Verwaltungen müssen sich hier selbstkritisch fragen, welche Kosten sie selbst durch völlig unverständlichen Personalaufwuchs, unangemessener Bürokratisierung und fehlender Digitalisierung produzieren.

Die Lebenshilfe NRW erwartet von der Landesregierung eine unmissverständliche öffentliche Positionierung zu den vorliegenden Kürzungsplänen. Darüber hinaus appelliert die Lebenshilfe NRW an alle Politiker:innen aus Nordrhein-Westfalen – im Landtag, im Bundestag und auf kommunaler Ebene: Stellen Sie sich gegen diese Pläne. In Positionspapieren der Landesbehindertenbeauftragten und der Fachverbände kann jeder die Auswirkungen auf die Menschen fachlich nachvollziehen.

„Ich lebe selbstbestimmt – das ist kein Privileg, das ist mein Recht. Wenn die Politik jetzt anfängt, meine Teilhabe gegen Haushaltszahlen aufzurechnen, dann sagt sie mir: Dein Leben ist zu teuer. Das ist keine Sozialpolitik. Das ist Ausgrenzung! Der Vorstand der Lebenshilfe NRW steht gerne zu Gesprächen bereit", sagt Daniela Sahnau, Selbstvertreterin und Mitglied im Vorstand der Lebenshilfe NRW.

Jetzt handeln: Petition im Bundestag unterzeichnen
 
Wer die geplanten Kürzungen ablehnt und die Interessen von Menschen mit Behinderung sowie ihrer Angehörigen unterstützen möchte, kann das jetzt konkret tun: Die Petition der Lebenshilfe „Keine Kürzungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung" mit der Nr. 195716 im Deutschen Bundestag läuft noch bis zum 25. Mai 2026.