Kahlschlag im Sozialwesen stoppen


Medienmitteilung vom 22. April 2026 der Fachverbänden für Menschen mit Behinderung
 

Teilhabe ist kein Privileg, sondern Menschenrecht

 
Berlin, 22. April 2026 – Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung warnen vor dem systematischen Abbau von Grundrechten durch geplante Sozialkürzungen.
 
Bund, Länder und Kommunen haben auf 108 Seiten Pläne zur Kostendämpfung in der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe hinter verschlossenen Türen erstellt. Dieses sogenannte „Vorschlagsbuch“ trägt den Titel „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen“. Die angedachten Maßnahmen bedrohen den sozialen Frieden. Sie schränken Menschenwürde und Menschenrechte ein. Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung lehnen die Pläne zur Kostendämpfung in der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe auf das Schärfste ab. 
 
Mit einem Kürzungsvolumen von mindestens 8,6 Milliarden Euro stellen die geplanten Maßnahmen einen systematischen Angriff auf die Grundrechte der vulnerabelsten Gruppen unserer Gesellschaft dar. Die geplanten Einsparmaßnahmen untergraben damit sowohl die UN-Behindertenrechtskonvention als auch die UN-Kinderrechtskonvention. Teilhabe darf nicht nach Kassenlage gewährt werden – und Effizienz darf nicht zum Gegenbegriff von Menschenwürde werden!

Die inhaltliche Stoßrichtung ist gravierend: Individuelle Rechtsansprüche werden abgebaut, Teilhabe und Inklusion zurückgedrängt und die Errungenschaften des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) ausgehebelt. Dass diese Pläne ohne Einbindung von Selbstvertretungs- und Fachverbänden erarbeitet wurden, ist ein demokratischer Skandal.

Die Fachverbände warnen: Menschen mit Behinderung sowie Kinder und Jugendliche sind massiv von Sozialkürzungen bedroht. Wer hier spart, spart an der Menschenwürde.

Die Fachverbände fordern die Handelnden auf, stattdessen endlich Maßnahmen zur Digitalisierung und Entbürokratisierung zu ergreifen, damit Personal, das bei den Leistungsträgern in erheblichem Maße zur Umsetzung des BTHG eingestellt wurde, zurückgefahren werden kann. Die Leistungsträger haben mit dem BTHG die Steuerung der Leistungserbringung gewollt und tragen im hohen Maße selbst durch unzulässig kurze Bewilligungszeiträume, aufwändige Gesamtplanverfahren, komplett fehlende Digitalisierung der Prozesse und Prüfung von umfänglich zu erstellender Dokumentation ohne erkennbaren Zweck zu den hohen Kosten bei.

Weiterführende Informationen:

Dritte Regionalkonferenz: Austausch, Impulse und Perspektiven

Die dritte Regionalkonferenz des Landesvorstandes wurde in der Werkstatt der Lebenshilfe in Stendal zu einem lebendigen Ort des Austauschs und der Begegnung. Knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung und nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Perspektiven zu teilen und gemeinsam nach vorne zu schauen.

Neben der Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl des Landesvorstandes im Juni stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt, das viele bewegte: der Beschluss der Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung Lebenshilfe zum neuen Begriff „Menschen mit Unterstützungsbedarf“. In intensiven Gesprächen wurde deutlich, wie eng Sprache mit unserem Denken und Handeln verbunden ist – und wie wichtig es ist, über bestehende Begriffe zu diskutieren und diese bewusst zu wählen und weiterzuentwickeln.

Unter dem Titel „Neue Begriffe, neue Haltung: Unterstützung gemeinsam neu denken“ entstand ein offener, engagierter Austausch. Unterschiedliche Sichtweisen, persönliche Erfahrungen und zahlreiche Anregungen machten die Diskussion besonders wertvoll und zeigten, wie viel Kraft in einem gemeinsamen Dialog steckt.

Ein herzlicher Dank gilt dem Team der Lebenshilfe Stendal, das mit großer Gastfreundschaft und viel Engagement den passenden Rahmen für diese gelungene Veranstaltung geschaffen hat.

„An den Sozialstaat soll die Axt angelegt werden“


Medienmitteilung der Bundesvereinigung Lebenshilfe vom 20. April 2026


„An den Sozialstaat soll die Axt angelegt werden“
Lebenshilfe ist entsetzt über jüngste Streichliste aus dem Kanzleramt.


Berlin. Mit großer Empörung reagiert die Bundesvereinigung Lebenshilfe auf die jüngste Streichliste aus dem Kanzleramt. Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Bundesministerin a.D., betont: „An den Sozialstaat soll die Axt angelegt werden. Die Pläne gehen vor allem gegen Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche. Vieles widerspricht der UN-Kinder- und Behindertenrechtskonvention. Wir müssen uns gemeinsam wehren! Wir dürfen das nicht hinnehmen!“

Ulla Schmidt ruft daher dazu auf, die Bundestagspetition der Lebenshilfe mit der Nummer 195716 und dem Titel „Keine Kürzungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung“ zu unterschreiben. Schon jetzt haben fast 30.000 Menschen unterzeichnet, und der Petitionsausschuss muss sich dann damit befassen. Wer Menschen mit Behinderung unterstützen möchte, kann direkt auf die Petitionsseite des Bundestages oder zunächst auf die Kampagnenseite www.lebenshilfe.de/teilhabe-ist-menschenrecht gehen. Mit einem Video wird dort für alle einfach erklärt, wie man sich registrieren und eine Bundestagspetition unterzeichnen kann. 

Liste mit Sparvorschlägen aus dem Kanzleramt

Eine Liste mit Sparvorschlägen aus dem Kanzleramt könnte etwa die Jugend- und Eingliederungshilfe massiv verändern. 

Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe zur Streichliste im Auftrag des Kanzleramts: 

"An den Sozialstaat soll die Axt angelegt werden. Die Pläne gehen vor allem gegen Menschen mit Behinderungen, Kinder und Jugendliche. Vieles widerspricht der UN-Kinder- und Behindertenrechtskonvention. Wir müssen uns gemeinsam wehren! Unterschreibt unsere Petition. Wir dürfen das nicht hinnehmen!"

Unterstützt Sie jetzt die Petition gegen Kürzungen an der Eingliederungshilfe!

https://epetitionen.bundestag.de/.../Petition_195716.nc.html

(Quelle: Bundesvereinigung Lebenshilfe)

Zweite Regionalkonferenz 2026 stärkt Bewusstsein für respektvolle Sprache

Bei der zweiten Regionalkonferenz des Landesvorstandes, die bei der Lebenshilfe in Naumburg stattfand, wurde vor allem eines deutlich: Der persönliche Austausch bleibt unverzichtbar. Rund 30 Teilnehmende – darunter Mitglieder des Landesvorstandes, des Landesbeirates, Vorstände, Geschäftsleitungen sowie Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter, Eltern und Angehörige – kamen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam wichtige Themen zu bewegen.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Kennenlernen der Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehende Wahl des neuen Landesvorstandes. In offener Atmosphäre konnten Fragen gestellt, Positionen diskutiert und erste Eindrücke gewonnen werden. Diese direkten Begegnungen haben einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der persönliche Dialog für gegenseitiges Verständnis und Vertrauen ist.

Im zweiten Teil der Konferenz stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele bewegt: der neue Begriff „Menschen mit Unterstützungsbedarf“, beschlossen von der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Unter der Überschrift „Neue Begriffe, neue Haltung: Unterstützung gemeinsam neu denken“ entstand ein intensiver Austausch darüber, wie Sprache unsere Haltung prägt. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, welche Bilder und Gefühle bestimmte Begriffe auslösen – und was das für unser tägliches Handeln bedeutet.

Die Gespräche haben deutlich gemacht, dass es nicht nur um Worte geht, sondern um ein gemeinsames Verständnis von Haltung, Respekt und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Mit dieser Regionalkonferenz ist ein wichtiger Impuls gesetzt worden, diese Fragen weiter zu vertiefen und gemeinsam weiterzudenken.