Newsletter Stiftung Perspektive Hausärztinnen und Hausärzte

Newsletter der Stiftung
Ausgabe Q4/2025 ∙ Dezember 2025
 
Ein wesentliches Ziel der Förderaktivitäten unserer Stiftung ist es, junge Medizinstudierende mit der hausärztlichen Versorgung und allem im ländlichen Bereich in Kontakt zu bringen und mit einer Grund- und/oder Fahrt-/Wohnkostenförderung zu unterstützen (genaue Zahlen s.u.). Darüber hinaus unterstützt die Stiftung aber auch (Forschungs-)Projekte, die einen besonderen Bezug zur hausärztlichen Versorgung haben. Im Folgenden werden die Ergebnisse des Förderprojekts „Residence“ der Universität Halle-Wittenberg vorgestellt. Und in „eigener Sache“: Die Unterstützung von Studierenden, die in Kontakt mit der hausärztlichen Praxis kommen möchten, im PJ Allgemeinmedizin oder einem Blockpraktikum in einem ländlichen Umfeld, ist ein Baustein bei der Nachwuchsgewinnung. Diese Aufgabe der Stiftung ist nur möglich wenn finanzielle Mittel dafür zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund hat die Stiftung ein Spendenkonto eingerichtet auf das auch Spenden über einen PayPal QR-Codeeingehen können. Diesem Newsletter liegen drei Flyer bei, die sich jeweils an Hausärztinnen und Hausärzte, Unternehmen oder Patienten richten. Letztere können von Praxen bei der Stiftung zur Auslage bestellt werden. Bitte helfen Sie der Stiftung durch Verbreitung der Spendenaufrufe. Oder vielleicht hat Ihr Hausärzteverband die Möglichkeit einer Spende?______________________________________________________________________________________
Projekt Residence (Institut für Allgemeinmedizin, Universität Halle-Wittenberg)
Das von der Stiftung geförderte Projekt Residence von der Uni Halle Wittenberg zum Thema Einschätzungen von Hausärztinnen und Hausärzten und Praxispersonal zum Thema Delegationsmodell hat zu einer ersten wissenschaftlichen Publikation1) geführt (Anlage).Damit hat die Förderung durch die Stiftung relevante Erkenntnisse ermöglicht, die in der aktuellen Diskussion zu den Bedingungen und Potenzialen von Delegationsmodellen in hausärztlichen Praxen hilfreich sind.   Die Studie, die in Sachsen und Sachsen-Anhalt durchgeführt wurde, untersucht in Deutschland erstmals quantitativ Meinungen und Bedingungen bezüglich eines umfassenden Delegations­modells in hausärztlichen Praxen und beim Praxispersonal. Anders als in internationalen Studien in Ländern mit einem etablierten Delegationsmodells werden hier Ärzte und Teammitglieder vor Einführung eines Delegationsmodells befragt. In internationalen Studien ist in der Vergangenheit schon oft gut belegt worden, dass Delegations­modelle bei Hausärztinnen und Hausärzte sowie Practice Nurses (vergleichbar mit VERAH oder NÄPA in Deutschland) sehr anerkannt sind. In Kanada, Niederlande, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich und USA haben Nurses eine wichtige Rolle in der Primärversorgung. Die Ergebnisse in diesen Ländern zeigen, dass in Delegationsmodellen bessere Ergebnisse bei der Versorgung von Chronikern erzielt werden. Grund sind insbesondere die höheren Zufriedenheitswerte bei Patienten durch längere Konsultationen bei Practice Nurses.  In der Studie wird nun untersucht, wie eine erweiterte Delegation ärztlicher Leistungen an medizinisches Praxispersonal in der Hausarztpraxis von Ärztinnen und Ärzten und Team­mitgliedern eingeschätzt wird und welche Faktoren dafür relevant sind. Aktuell erbringe etwa 85 % der befragten Hausärzte bzw. Praxisteammitglieder einzelne delegierte Leistungen, wie Hausbesuche. Dabei berichten 13 % der Befragten von delegierten Patienten­konsultationen unter ärztlicher Aufsicht und 5,3 % von Konsultationen ohne ärztliche Aufsicht. Festzustellen ist also, dass es bereits umfangreiche Erfahrungen bei der Delegation einzelner Leistungen gibt. Die Mehrheit der befragten Hausärztinnen und Hausärzte sowie Teammitglieder erklären ihre grundsätzliche Bereitschaft für ein erweitertes umfassendes Delegationsmodell in der Praxis (ca. 62 %).  Welche Bedingungen sind positiv für die Bereitschaft, ein umfassendes Delegationsmodell umzusetzen? -  gute Erfahrungen mit der Delegation einzelner Leistungen in der Vergangenheit (Hausbesuche,
   spezifische Patientenberatung).-  Weniger als zehn Jahre Berufstätigkeit als Hausärztin oder Hausarzt in einer Praxis.-  Hohes Vertrauen in die Kompetenz und Empathie von Teammitgliedern.-  mehr als eine weiterqualifizierte Praxismitarbeiterin (z. B. VERAH)  in der Praxis angestellt.-  ländliches Umfeld.-  Tätigkeit in einer Gruppenpraxis. Ähnlichkeiten sind bei Hausärztinnen und Hausärzten und Teammitgliedern festzustellen bei der Einschätzung, welche Indikationen geeignet sind für ein Delegationsmodell: Hypertonie (71 %), COPD  (65 %), Diabetes mellitus (63 %). Unterschiede sind erkennbar bei der Frage, wie sehr sich eine körperliche Untersuchung von Patienten eignet im Rahmen eines Delegationsmodells. Nur 29 % der Hausärzte halten dies für delegationsfähig, wohingegen 61 % der Praxismitarbeiterinnen dies für delegierbar halten. Die Hausärztinnen und Hausärzte sowie Praxismitarbeiterin stimmen auch überein in Bezug auf die erwarteten Ergebnisse eines erweiterten Delegationsmodells. Beide Gruppen rechnen zu etwa 70 % mit einer höhere Arbeitszufriedenheit sowie mehr Zeit für Patientenanliegen. Unterschiede der beiden Gruppen werden in Bezug auf die Vorstellungen/Wünsche, welche Leistungen delegiert werden bzw. in Delegation erbracht werden können, deutlich. Die Hausärzte sehen hier stärker die Betreuung von chronischen Patienten, zum Beispiel bei Hypertonie oder Diabetes im Vordergrund, wohingegen die Teammitglieder eher die spezifischen Leistungen wie körperliche Untersuchung oder EKG übernehmen würden. Ärzte sind offensichtlich weniger bereit, vermeintlich komplexere Leistungen zu delegieren. Beide befragten Gruppen sind sich allerdings einig, dass die Qualifikation der Schlüssel für ein umfangreiches Delegationsmodell ist. Über die Hälfte der Befragten sagt aus, dass die aktuelle Qualifikation von Teammitgliedern nicht ausreichend ist für ein umfassendes Delegationsmodell ärztlicher Leistungen. Dies entspricht den Erfahrungen in Ländern mit entwickel­ten Delegationsmodellen, in denen Advanced Practice Nurses oft auf Masterniveau oder sogar promoviert tätig sind. Folgerichtig bewerten die Autoren der Studie die Entwicklung hin zu einer Akademisierung der Praxisteams (PCM / PA) als richtigen Weg. Zusammenfassung: Zwei Drittel der befragten Hausärztinnen und Hausärzte sowie Praxisteammitarbeiterinnen sind grundsätzlich bereit, ein umfassendes Delegationssystem einzuführen. Die höchste Bereitschaft ist feststellbar bei den befragten Hausärztinnen und Hausärzten, die bereits positive Erfahrungen mit der Delegation von einzelnen Leistung gemacht haben und bei Praxisteammitarbeiterinnen, die eine erweiterte Qualifikation haben (VERAH, NäPA). Ein weiterer positiver Faktor ist die Tätigkeit im ländlichen Bereich sowie in einer Gruppenpraxis. Obwohl in Deutschland die Delegation von Leistungen nicht umfassend geregelt ist, ist eine grundsätzliche große Offenheit der Befragten festzustellen. Beide Gruppen sehen als Voraussetzung eine hohe Qualifikation der Praxismitarbeiterinnen. Eine kleine Gruppe von etwa 5 % lebt bereits ein umfassendes Delegationsmodel. Hier sehen die Autoren eine pragmatische Herangehensweise an die Bedarfe in einer ländlichen Hausarztpraxis, insbesondere zur Sicherstellung einer langfristigen, typisch hausärztlichen Betreuung von Patienten (Continuity of Care). Morgner J, Heise M, Wiens C, et al. Are nurse-led patient consultations acceptable for the general practitioners and practice nurses in Germany? Results from a cross-sectional survey in two federal states. Fam Med Com Health 2025;0:e003627. doi:10.1136/fmch-2025-003627 ______________________________________________________________________________________
Förderungen 2025Im Jahr 2025 wurden insgesamt 200 Studierende mit einer Summe von knapp 145.000 EUR gefördert:
Praktisches Jahr: Alle Studierenden der medizinischen Universitäten/Fakultäten in Deutschland, die einen Platz im Wahlfach Allgemeinmedizin in einer akademischen Lehrpraxis erhalten haben, können während des Tertials eine finanzielle Förderung in Höhe von 450 Euro monatlich beantragen. Wenn sich die akademische Lehrpraxis in einer Stadt oder Gemeinde mit weniger als 10.000 Einwohnern befindet, liegt die Höhe der Förderung bei 600 Euro monatlich. Zusätzlich zu der Grundförderung werden Fahrt-/Wohnkosten bis max. 200 Euro gefördert (einmalig) Blockpraktikum / Famulatur:Gefördert werden Studierende mit max. 200 EUR (einmalig), die das Blockpraktikum / die Famulatur im Bereich der Allgemeinmedizin in Hausarztpraxen mit Hauptsitz in Städten oder Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern absolvieren und denen in dieser Zeit zusätzliche Fahrt- oder Wohnkosten entstehen.______________________________________________________________________________________
Gern stehen wir Ihnen für Fragen zur Verfügung. Schreiben Sie uns an
| stiftung@haev.de
oder rufen uns an unter  | 02203 977 88-04
 Stiftung Perspektive Hausärztinnen und Hausärzte
Edmund-Rumpler-Straße 2 ∙ 51149 Köln
www.stiftung-haev.de

Vorstand: Dr. Susanne Bublitz Geschäftsführung: Robert Festersen
Aufsichtsrat:
Dr. Torben Ostendorf (Vorsitzender),
Dr. Hans-Michael Mühlenfeld (Stellv. Vorsitzender),
Elke Cremer,
Kahina Toutaoui

Wenn Sie die nächste Generation von Hausärztinnen und Hausärzten schon jetzt während ihres Studiums unterstützen möchten, spenden Sie an die Stiftung Perspektive Hausärztinnen und Hausärzte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE19 3006 0601 0002 2862 03
 


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