„Es darf keiner ausgebürgert werden, der Österreicher bleiben möchte“

Präsident Werner Götz war zwei Tage vor der Weltbundtagung zu Gast bei ORF Radio Kärnten.
Zwei Tage vor dem Beginn unserer Tagung in Klagenfurt am Wörthersee war Präsident Werner Götz im Studio von Radio Kärnten zu Gast. In der Sendung „Radio Kärnten am Nachmittag“ sprach er am 1. September rund elf Minuten lang über die Arbeit des WELTBUND ÖSTERREICH – und über jenes Anliegen, das ihn seit Jahren am meisten beschäftigt.
 
Hier geht es zum Interview.

Eine Interessenvertretung mit ungewöhnlicher Vorgeschichte
Der Weltbund vertritt die Interessen jener österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die im Ausland leben. Gegründet wurde er 1952 in Vorarlberg, also noch vor dem Staatsvertrag. Götz erinnerte im Gespräch daran, unter welchen Vorzeichen das geschah: Damals war offen, ob Österreich wie Deutschland in einen Ost- und einen Westteil zerfallen würde. Der Weltbund war auch als eine Art Rückversicherung gedacht, falls das Land besetzt geblieben wäre. 

Heute leben nach seinen Angaben zwischen 630.000 und 640.000 Österreicherinnen und Österreicher außerhalb des Landes – mehr Menschen, als Kärnten Einwohner hat. Die meisten von ihnen in Deutschland, gefolgt von der Schweiz und Italien. Der Vorstand des Weltbundes besteht aus fünfzehn Personen, darunter Vertreter des Außenministeriums, der Wirtschaftskammer und der Bundesländer.

„Umso weiter man entfernt lebt, umso intensiver wird sie“
Wie stark die Bindung an die alte Heimat sein kann, hat Götz im vergangenen Jahr in Australien erlebt. Fünf Wochen lang besuchte er dort alle Bundesstaaten, dazu Vereinigungen, Honorar- und Botschaftskonsulate. Seinen Eindruck von dieser Reise fasste er in einem Satz zusammen: „Umso weiter man entfernt lebt, umso intensiver wird sie.“ Wer ins Ausland gehe, gehe zugleich ein Risiko ein – nicht alle würden von einem Betrieb entsandt, viele wagten den Schritt auf eigene Faust. 

Das Kernanliegen: die Staatsbürgerschaft behalten dürfen
Den größten Teil des Gesprächs nahm die Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft ein. Wer im Ausland beruflich vorankommen will, steht oft vor der Wahl, die Staatsbürgerschaft des Gastlandes anzunehmen – und verliert damit in der Regel die österreichische. 

Rund 600 bis 700 Anträge auf Beibehaltung werden nach Götz' Angaben pro Jahr in ganz Österreich gestellt, auf Kärnten entfallen davon fünfzig bis sechzig. Wie darüber entschieden wird, unterscheide sich von Bundesland zu Bundesland allerdings erheblich. Sein Argument ist ein nüchternes: Wer ausgebürgert werde, komme später nicht zurück — und mit ihm nicht das im Ausland erworbene Wissen. Als Gegenbeispiel nannte er die Schweiz, die ihre Staatsbürger behalte.

Götz verwies auch auf die Lage jener Landsleute, die außerhalb der Europäischen Union leben und dort weniger geschützt sind. Um für dieses Anliegen zu werben, war er nach eigenen Worten in vier Jahren acht Monate unterwegs und führte rund 160 Gespräche mit Ministern, Landeshauptleuten und Beamten.

Auch das Wahlrecht war Thema
Von den Auslandsösterreicherinnen und -österreichern wären nach seinen Angaben etwa 320.000 wahlberechtigt, eingetragen in die Wählerevidenz sind rund 69.000. Das eigentliche Problem liege beim Zeitfenster: Stimmen aus Übersee träfen häufig zu spät ein und könnten deshalb nicht mehr gezählt werden. Der Weltbund fordert, die Frist von fünf auf sieben Wochen zu verlängern.

Ausblick auf Klagenfurt
Zur Tagung selbst hielt sich der Präsident bewusst zurück. Auf die Frage nach der Auszeichnung eines bekannten Auslandsösterreichers mit Kärnten-Bezug antwortete er, das werde erst bei der Pressekonferenz am Donnerstag bekannt gegeben – vorher wolle er nichts verraten.

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Der ORF hat dem Weltbund gestattet, das Interview für Social-Media-Aktivitäten zu nutzen. Der Beitrag wurde am 1. September 2026 um 14.05 Uhr live ausgestrahlt. Die Musik zwischen den beiden Gesprächsblöcken wurde herausgeschnitten.

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