Vogelvielfalt mitten in der Stadt


Wer mit offenen Augen durch unsere Stammsiedlung spaziert, hört nicht nur Vogelgesang, sondern entdeckt auch eine beeindruckende Artenvielfalt. Von geselligen Hausspatzen über farbenfrohe Stieglitze bis hin zu den faszinierenden Mauerseglern finden zahlreiche Vogelarten in der Siedlung geeignete Lebensräume. Dass dies kein Zufall ist, sondern eng mit der Gestaltung von Grünflächen, Hecken und Gebäuden zusammenhängt, erklärt Diana Marti von BirdLife Schweiz.

Städte gelten oft als lebensfeindlich für Tiere. Doch die Stammsiedlung der BBZ zeigt, dass auch in dicht bebauten Quartieren wertvolle Lebensräume entstehen können. Zwischen Bäumen, Hecken, Wiesen und Wohnhäusern finden zahlreiche Vogelarten Nahrung, Nistplätze und Rückzugsmöglichkeiten.

Zu den regelmässigen Gästen und Bewohnern zählen Hausspatzen, Blau- und Kohlmeisen, Stare, Mönchsgrasmücken, Hausrotschwänze, Baumläufer, Elstern, Rabenkrähen und Tauben.

«Viele Menschen sind überrascht, wie viele Vogelarten direkt vor ihrer Haustür leben», weiss Diana Marti, Projektleiterin Biodiversität im Siedlungsraum, BirdLife Schweiz. «Mit naturnahen Flächen können wir auch in der Stadt einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten.»

Diana hat sich am frühen Morgen die Zeit genommen, um mit uns auf Vogelerkundungstour durch unsere Siedlung zu gehen. Sie war auch selbst begeistert von der Artenvielfalt hier vor Ort, die sich noch weiterführt, wenn man über die Wehntalerstrasse auf den Nordfriedhof geht. Dort hat Diana noch den Zilzalp und den Buntspecht entdeckt. Eine BBZ-Bewohnerin berichtete sogar, dass sie am dortigen Teich einen Eisvogel gesehen hatte.

Hinweis: Den Gesamtbeitrag mit allen Bilder (hier bei beUnity nicht identisch darstellbar), findet ihr auf unserer Website.

Besonders wichtig sind in der Stadt Wiesen, die nicht zu häufig gemäht werden. Sie bieten Nahrung für Insekten und produzieren Samen, die von verschiedenen Vogelarten als Nahrung benötigen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Distelfink, auch Stieglitz genannt. Der farbenprächtige Fink ernährt sich vor allem von Samenständen verschiedener Wildpflanzen. «Wenn Samenstände über den Winter stehen bleiben, finden Arten wie der Stieglitz auch in der kalten Jahreszeit noch Nahrung», erklärt Diana.

Die Meister der Lüfte: Mauersegler

Eine besonders faszinierende Vogelart ist der Mauersegler. Kaum ein anderer Vogel verbringt so viel Zeit in der Luft. Mauersegler jagen Insekten, trinken, schlafen und paaren sich sogar während des Flugs. Nur zur Brutzeit setzen sie sich ab.

«Mauersegler sind wahre Flugkünstler. Sie verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft und kehren jedes Jahr an dieselben Brutplätze zurück», weiss Diana.

Für Gebäudebesitzer sind sie zudem unkomplizierte Mitbewohner. Sie sind vergleichsweise leise und hinterlassen keine Verschmutzungen an Fassaden. Da ihre Brutplätze gesetzlich geschützt sind, sollten sie bei Sanierungen unbedingt berücksichtigt werden. Die BBZ hat die Mauersegler bereits bei der letzten Neubauetappe berücksichtigt und verschiedene Nistplätze in die Häuser integriert.

Warum Vögel Insekten brauchen

So unterschiedlich die Vogelarten auch sind – eines haben sie gemeinsam: Für die Aufzucht ihrer Jungen benötigen sie grosse Mengen an Insekten.

«Ohne Insekten gibt es auch weniger Vögel», sagt Diana. «Deshalb ist es wichtig, Lebensräume für Insekten zu schaffen – etwa mit Totholzhaufen, naturnahen Wiesen oder vielfältigen Hecken.» Totholz bietet zahlreichen Käfern, Wildbienen und anderen Insektenarten einen Lebensraum. Diese wiederum dienen vielen Vögeln als Nahrung. In der BBZ-Stammsiedlung gibt es rund 35 dieser Haufen, die extra von unserem Gärtner Juliano Anfang des Jahres in Handarbeit hergestellt wurden.

Gemischte Hecken statt Kirschlorbeer

Neben Wiesen spielen Hecken eine zentrale Rolle. Sie bieten Schutz, Nistplätze und Nahrung für zahlreiche Vogelarten. Besonders wertvoll sind Hecken aus diversen einheimischen Sträuchern wie Weissdorn, Tierlibaum, Pfaffenhütchen oder Liguster.

Weniger geeignet sind hingegen exotische Pflanzen wie Kirschlorbeer. Sie bieten vielen heimischen Insekten kaum Nahrung, breiten sich invasiv aus und sind deshalb sogar schädlich für die einheimische Biodiversität.

«Einheimische Pflanzen sind oft eng mit unserer Tierwelt verknüpft. Manche Insektenarten können ihre Eier nur auf ganz bestimmten Pflanzen ablegen. Fördern wir diese Pflanzen, fördern wir automatisch auch die Vögel und die dazugehörigen Insekten», so Diana.

Typische Nachbarn des Menschen

Zu den häufigsten Bewohnern von Siedlungen gehört der Hausrotschwanz. Ursprünglich lebte er in felsigen Landschaften, heute ist er ein typischer Kulturfolger und begleitet den Menschen bis in Städte und Dörfer.

Auch die geselligen Hausspatzen profitieren von naturnahen Siedlungen. Sie leben gerne in Gruppen und nutzen sowohl Gebäude als auch Hecken als Lebensraum.

Gemeinsam für mehr Biodiversität

Die Vogelvielfalt in der Stammsiedlung zeigt, wie viel mit vergleichsweise einfachen Massnahmen erreicht werden kann. Naturnahe Wiesen, einheimische Hecken, geeignete Nistmöglichkeiten und der Erhalt von Insektenlebensräumen schaffen wertvolle Voraussetzungen für zahlreiche Vogelarten.

«Jede naturnahe Fläche zählt», sagt Diana. «Und jede Siedlung sowie jede/jeder Bewohner*in kann auf dem eigenen Balkon einen Beitrag leisten, damit Vögel, Insekten und Menschen gemeinsam von einem lebendigen Umfeld profitieren.»

Weitere wichtige Informationen:

BirdLife Zürich / lokale BirdLife-Naturschutzvereine

BirdLife Zürich bietet viele spannende Veranstaltungen an. Ihr könnt auch Mitglied werden und /oder mit Spenden unterstützen.

Aufleben-Plattform

Die Plattform Aufleben bietet eine Vielfalt an Informationen und hilfreichem Hintergrundwissen. Allem voran der Trittstein-Designer, der einem aufzeigt, was man alles auf einem Balkon oder einer Terrasse machen kann, um die seinen Teil zu Biodiversität sowie Naturschutz beizutragen.

Verbund Lebensraum Zürich

Der Verein Verbund Lebensraum Zürich (LZ) setzt sich für den Schutz, die Förderung und die Schaffung naturnaher Grünräume sowie für die Biodiversität in und um Zürich ein. Das Netzwerk vereint rund siebzig Mitglieder aus Institutionen, NGOs, Bildungswesen, Privatwirtschaft und Wohnbaugenossenschaften.

Der VLZ organisiert unter anderem verschiedene Aktivitäten – zum Beispiel das immer im Mai stattfindende Abenteuer Stadtnatur, interessante Lunchtalks über die Wintermonate und das Grünform – ein Podiumsabend für Laien zu einem spannenden Thema.


Baugenossenschaft BrunnenhofOfficial